Ich gehe davon aus, dass…

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, ich persönlich mag diesen Satzbaustein nicht besonders. Irgendwie habe ich dann das Gefühl, in einen wichtigen Aspekt der Diskussion nicht eingebunden gewesen zu sein (und ich irgendwo zwischen „Guten Morgen, wie geht es Ihnen?“ und „einen schönen Feierabend wünsche ich“ einen wichtigen Auftrag verpasst habe).

Kommt es Ihnen dann auch so vor, als ob eine wesentliche Information im Vorfeld zwischen Ihnen und der Person, die da gerade „Ich gehe davon aus“ gesagt hat, einfach fehlt?

  • Ich gehe davon aus, dass Sie die Präsentation fertiggestellt haben.“
  • Ich gehe davon aus, dass Ihnen die Theorie bekannt ist.“
  • Ich gehe davon aus, dass Sie wissen, was in mir vorgeht“ 

Gehen Sie lieber davon aus, dass all dieses „davon Ausgehen“ NICHT fertiggestellt, bekannt oder gewusst wird.

Oftmals verstecken sich Menschen hinter dieser vermeintlich verbindlichen Floskel, um über die verpasste aber notwendig gewesene Kommunikation mit klarer Aufgabenstellung hinwegzusehen. Dabei wäre es ein Leichtes, einen weiteren Satz der Erläuterung einfließen zu lassen, um sich das Vorweggenommene bestätigen oder ablehnen zu lassen. Ausgegangen wird ja immer von Umständen, die so erst noch einzutreten haben und beim Fallenlassen der Floskel noch unbestätigt sind.

Offensichtlich ist diese ergänzende Kommunikation aber keineswegs leicht.

Denn dann müsste man ja noch mehr miteinander – Sie müssen jetzt ganz stark sein – REDEN.

Warum fällt es vielen vor allem in der Arbeitswelt so schwer, klare und verbindliche Verabredungen zu treffen? Oftmals bedarf es einfach einer in Ruhe und nach dreimaligen Durchatmen klärenden Erläuterung:

  • Mir war nicht bewusst, dass wir über einen Zeitpunkt der Fertigstellung für die Präsentation geredet haben…
  • Über einen kurzen Überblick über die von Ihnen angesprochene Theorie bin ich Ihnen dankbar.“
  • Da ein jeder von uns in seiner eigenen Welt mit eigenen Werten und Vorstellungen lebt, kann ich nicht wissen, was in Ihnen vorgeht und freue mich, wenn wir gemeinsam eine Möglichkeit finden, uns miteinander zu verständigen.“

Ich gebe zu, ab und zu muss ich eher fünfmal für solche Antworten durchatmen. Ein schnelles Kopfnicken (ob nun zurecht oder nicht) auf die „Ich gehe davon aus“ -Floskel ist in der Tat so bequem wie oftmals fatal.

Meine Antwort lautet daher ab heute auf eine solche „Ich gehe davon aus“-Floskel:

„Unter der Voraussetzung, dass Sie jetzt keine konkreteren Vorgaben machen, gehe ICH davon aus, dass auch keine Aktion meinerseits erforderlich ist. Und jetzt gehe ich davon. AUS.“

Ihre Andrea Rudolf

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